Warum Spezialitätenkaffee?

Die Vorteile von Spezialitätenkaffee in wenigen Sätzen zu erklären ist unmöglich, da es viel zu erzählen gibt. Wir versuchen euch in diesem Blog-Artikel das Thema mal ein wenig aufzudröseln und unser Kaffeewissen mit euch zu teilen. Wir freuen uns, wenn ihr etwas Zeit mitbringt und Lust habt auf jede Menge Infos über Kaffee. Los geht's!

Wenn die Unterschiede zwischen kommerziellem Kaffee und Spezialitätenkaffee nicht bewusst sind, verwundert der preisliche Unterschied. Der hohe Preis für Spezialitätenkaffee ist ein berechtigter Einwand. Aber wir hoffen, euch überzeugen zu können, dass die Preise berechtigt sind und es sich lohnt, den Kaffee mal nicht im Supermarkt zu kaufen.

Bekehren möchten wir niemanden und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Warum euch jedoch einiges an Kaffeegenuss entgehen könnte, erfahrt ihr jetzt hier.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen kommerziellem Kaffee und Spezialitätenkaffee

Die Qualität des Rohkaffees:

In Masse produzierter Kaffee wird auf großen Kaffeeplantagen angebaut und maschinell geerntet. Deshalb landen viele unreife Kaffeekirschen und fehlerhafte Bohnen in dem Kaffee, den man gewöhnlich im Supermarkt kaufen kann. Hinzu kommt, dass die Kirschen nach der Aufbereitung, also in der Weiterverarbeitung nach der Ernte, nicht ordentlich gelagert werden und die Bohnen häufig auch auf den langen Transportwegen aus den Anbauländern anfangen zu schimmeln.

Die Herkunft des Kaffees in einer Packung Kaffee ist bei Industriekaffee oft unklar, da häufig Rohkaffee aus verschiedenen Ländern zusammen weiterverarbeitet und geröstet wird. Etwaige Geschmacksnuancen, die man bei Kaffee zum Beispiel allein durch die unterschiedlichen Böden auf denen die Kaffeepflanze wächst, heraus schmecken könnte, gehen in dem großen Gemisch verloren. Um bei industriell hergestelltem Kaffee ein konstantes Geschmacksbild zu erzeugen, wird gewöhnlicher Röstkaffee immer sehr dunkel geröstet. Die Röstnoten überdecken den Geschmack fehlerhaften Rohkaffees und sorgen aber auch dafür, dass die Konsument*innen ein geschmacklich konstantes Produkt erhalten.

Das mögen wir hierzulande laut Statistiken. Hauptsache wach soll uns der Kaffee machen. Durch einen hohen Robusta-Anteil in kommerziellem Kaffee gelingt das. Das Kaffee auch Genuss sein kann und uns dieses Getränk ähnlich wie bei Wein mit den unterschiedlichsten Aromen überraschen kann, müssen wir aus der Spezialitätenkaffee-Branche auch weitererzählen, damit immer mehr Leute auf den Geschmack kommen und verstehen, dass sie kaffeetrinkend auch noch viel Gutes tun können für die Natur und vor allem für die Kaffeefarmer*innen in den Anbauländern.

 

 

Die Kaffeesorten – Arabica vs. Robusta

Kaffee ist das Ergebnis eines umfangreichen Prozesses und hängt nicht nur davon ab, wie der Kaffee geröstet wurde. Es geht darum, woher die Bohnen kommen und welcher Gattung sie angehören. Die Welt hat rund 75 verschiedene Arten von Kaffeebohnen, aber zwei werden hauptsächlich in der Kaffeeindustrie angebaut und verwendet:

Arabica-Bohnen: Dieser Typ hat mehr als 160 Varianten und wächst in höheren Lagen als Robusta. Er ist wesentlich empfindlicher und kann deshalb nicht so auf Masse produziert werden.

Robustabohnen: Diese Bohne ist bitterer und, wie der Name schon verrät, robuster als die Arabicapflanze. Deshalb sind Robustapflanzen leichter anzubauen und somit billiger zu produzieren.

Beide Kaffeesorten können für die Kaffeeproduktion verwendet werden, aber die Tendenz ist, dass große Kaffeekonzerne nur Arabica-Bohnen niedrigerer Qualität sowie Robusta einkaufen. Wir kleineren Röstereien kaufen jedoch nur sehr hochwertigen Arabica und Robusta ein. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat jeder Typ und jede Variante ein einzigartiges Geschmacksprofil, und das schmeckt man im Kaffee.

Die Robusta-Bohne wird in Zukunft bedingt durch den Klimawandel immer mehr an Bedeutung gewinnen und es wird viel im Spezialitätenkaffee geforscht und experimentiert. Auch Robusta kann sehr feine Geschmacksnoten entwickeln und somit zu einer Alternative der empfindlichen Arabicapflanze werden. Das ist ein Hoffnungsschimmer für Kaffeeproduzent*innen weltweit, die den Standards für Specialty Coffee entsprechend Kaffee anbauen.

 

So kauft und verarbeitet die Industrie Kaffee:

In den Großröstereien werden die Kaffeebohnen bei über 400°C schockgeröstet – in nur 90 Sekunden.

Dabei werden verschiedenste Sorten schon vor der Röstung gemischt. Der Kaffee in einer Röstung kommt aus den unterschiedlichsten Ländern und ist oft von sehr minderwertiger Qualität.

Uns Konsument*innen fällt das nicht auf, da der Kaffee so schnell und heiß geröstet wird, dass außer dem Röstaroma, nicht viel übrig bleibt. Definierte Geschmacksnoten finden sich deshalb im Industriekaffee nicht.

Zusätzlicher negativer Nebeneffekt bei industriell gerösteten Kaffee ist, dass die Chlorogensäure nicht abgebaut wird. So verleiht sie abgekühltem Kaffee einen säuerlichen Geschmack und macht ihn unverträglicher für den Magen.

Und so röstet Heilandt…

Wir wissen genau, wo unser Kaffee herkommt und finden, Gutes tun schmeckt und perfekter Genuss braucht Zeit und Ruhe.

Das gilt beim Kaffeetrinken und auch schon beim Rösten.Jede Bohne bekommt in der Heilandt Rösterei was sie braucht, um ihr Aroma zu entfalten.

Geschmack ist Handarbeit. Jede Kaffeesorte wird einzeln im Trommelröster geröstet – ganz schonend, bei maximal 210 °C und bis zu 18 Minuten lang. Nur so kann der Röster ganz genau auf die Sorte, die Bohnengröße und die Verwendung als Espresso oder Filterkaffee eingehen.

Er kann riechen, wann der Kaffee perfekt geröstet ist – und er kann es auch hören. Der „first crack“, das hörbare Platzen der Zellen durch das Verdampfen des Wassers, ist die Orientierungsmarke für unsere Röstungen. 

Wir überlassen nichts dem Zufall und erstellen für jede Bohne ein elektronisches Röstprofil, das am Röster abgerufen wird. Nach der Röstung haben die Bohnen genug Ruhe um auszugasen, erst dann werden sie entweder zu Blends kombiniert oder sortenrein verpackt.

Was bedeutet direkter Handel für die Heilandt Kaffeemanufaktur und wie möchten wir idealerweise unsere Rohkaffees einkaufen?

Diese Frage stellen wir uns oft und kommen immer wieder in einem Punkt auf denselben Nenner: So transparent und direkt wie möglich!

Dabei geht es uns um ein direktes Handelsmodel auf Augenhöhe und eine angemessene Preiskultur, die es allen Beteiligten in der Handelskette ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Grundvoraussetzungen hierfür sind konstante, langjährige Handelsbeziehungen und das Wahren der Unabhängigkeit von volatilen Märkten und Großkonzernen.

Wir möchten detailliert und genau wissen, woher und über wen wir unsere Rohkaffees beziehen. Dazu gehört es, Partner*innen zu finden, denen wir vertrauen und eine Kundschaft zu haben, die uns vertraut.

Fairtrade Siegel werdet ihr auf unseren Kaffees nicht finden und Bio Siegel nur gelegentlich, da wir unser eigenes Direct Trade Siegel definiert haben, vor allem damit sich unsere Produzent*innen das Geld für teure Zertifizierungen sparen können und wir uns selbst Garantien schaffen, dass als „organic“ deklarierte Kaffees auch wirklich bio sind.

Geschmack hat für uns absolute Priorität. Bei allen unseren Kaffees handelt es sich um Spezialitätenkaffees. Diese werden in der Regel preislich hoch gehandelt und sind überwiegend handgepflückt. Für unsere Arabica Röstungen verwenden wir ausschließlich Kaffees mit einer Mindestpunktzahl von 83 Punkten Cupping Score nach der Einteilung der Specialty Coffee Association (SCA).

Die SCA ist eine gemeinnützige Organisation, die Kaffeespezialist*innen weltweit vertritt, von Produzent*innen bis zu den Baristi. Entwickelt wurde ein international anerkanntes Bewertungssystem für die Qualität von Rohkaffee, in dem der Kaffee physisch und sensorisch bewertet wird.

Da wir nicht fremdfinanziert sind, haben wir noch nicht die finanziellen Mittel, alle Rohkaffees direkt zu handeln. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir ab diesem Jahr auch direkt gehandelten Robusta Kaffee in unserem Sortiment haben.

Marc & Heiko von Heilandt mit Enrique Lopez, dem Chef der Finca Chelín und unserem Kaffeescout Thomas Pingen in Mexiko

Für die Kaffees, die unser Direct Trade Siegel tragen, garantieren wir die folgenden Standards:

  • Es gibt einen direkten Kontakt zu Farmer*innen oder es ist höchstens eine Person oder Partnerorganisation unseres Vertrauens dazwischen geschaltet.
  • Unsere Kaffeefarmer*innen werden im Schnitt mindestens 50% über dem Fair Trade Preis bezahlt und die Preise direkt verhandelt.
  • Wir schaffen Transparenz wie, wo und von wem der Kaffee produziert wurde.
  • Der Rohkaffee stammt von Farmer*innen, die sich landwirtschaftlich nachhaltigen Praktiken verpflichten und unseres Wissens nach gerechte Arbeitsbedingungen einhalten.
  • Lange Handelsbeziehungen zu den Produzent*innen und qualitätsfördernde Maßnahmen auf den Plantagen sind unabdingbar, um diese nachhaltig durch das Vermitteln von Wissen und Equipment zu fördern.

 

Unsere Suche geht weiter und unsere Priorität ist es, den prozentualen Anteil von Direct Trades im Sortiment und die Qualität unserer Röstungen permanent zu steigern.

Wir freuen uns sehr, dass wir durch euer Interesse an unseren Kaffees und eure Neugier in der Lage sind, stetig neue Kaffees und dadurch auch neue Geschmackserlebnisse zu finden – mit euch zusammen auf direktem Weg.