Kaffee in Oaxaca - Ein Reisebericht Teil 2

Kaffee in Oaxaca - Ein Reisebericht Teil 2

Was ist das Besondere an Kaffee aus Oaxaca?

Hier geht es weiter mit dem zweiten Teil des Berichts zu unserer Reise Mitte Februar 2023: Wir von Heilandt waren dort, wo der Kaffee wächst. Genauer gesagt in Oaxaca in Mexiko. 

 

Inhaltsverzeichnis

Ein Tag mit der Union San Pedro

Lebende Kreislaufwirtschaft

Das große Cupping

 

Ein Tag mit der Union San Pedro

Nach einer feuchtkalten und recht stürmischen Nacht hoch in den Bergen von Oaxaca auf etwa 2600 Metern geht für uns wieder ca. 1000 Meter runter auf die erste Kaffeefarm, die wir mit Thomas besuchen.

 

Es ist die Finca des Leiters der Union San Pedro (kurz USP) José Cafaso Jacinto Pacheco. Zur USP hat Thomas langjährige Beziehungen, vor allem zu Salomón Garcia Moreno, dem ursprünglichen Gründer der Kooperative.

 

Wir werden von José und Salomon erst einmal mit einem üppigen Frühstück empfangen. Dabei erfahren wir, dass die 2011 gegründete Union über 150 Kaffeeproduzentinnen und -produzenten in der Region um die Gemeinde San Pedro el Alto umfasst. Von Anfang an wurde hier auf Kreislaufwirtschaft und agrarökologische Anbaumethoden gesetzt.

 

Salomon sowie José haben es sich vor allem zur Aufgabe gemacht, ihr Wissen über den Kaffeeanbau und die Aufbereitung nach der Ernte bei jeder Gelegenheit mit den Produzent:innen zu teilen. Nur so kann es gelingen, die Qualität des Kaffees zu verbessern, den Kaffeeanbau für die Menschen in Oaxaca wieder attraktiv zu machen und eine alternative Einkommensmöglichkeit zum Holz zu schaffen. Erst dadurch konnte beispielsweise die Abholzung der Wälder in der Sierra Sur eingedämmt werden.

 

So haben sich am Tag unseres Besuches auch einige Kaffeeproduzent:innen bei José eingefunden und das ist kein Zufall. Denn nicht ohne Grund ist Thomas heute mit uns auf Josés Finca gekommen. Er möchte den Partner:innen der USP den Umgang mit den vom WWF gespendeten Feuchtigkeitsmessgeräten erklären. Und so stehen wir alle zusammen für mindestens zwei Stunden im Kreis und folgen gebannt Thomas' Erklärungen und praktischen Vorführungen, wie die Geräte zu bedienen sind.

 

Ich bin des Spanischen nicht ganz mächtig, aber schnell wird klar, dass Thomas hier keine Gelegenheit auslässt, auch mal vom eigentlichen Thema abzuweichen und noch viel mehr nützliche Tipps und Erfahrungen mit den Farmer:innen zu teilen.

 

Es berührt mich sehr Thomas einmal in Aktion zu sehen und vor allem seine herzliche Verbindung zu Salomon und allen anderen Anwesenden mitzuerleben.

 

Es wird einem sehr bewusst, dass hier mit viel Menschlichkeit und intrinsischer Motivation für eine gute Sache geradezu gekämpft wird, damit die Landflucht gestoppt wird, eine Lebensgrundlage geschaffen werden kann und im besten Fall die Kaffeeernte für immer mehr Farmer:innen so ertragreich und qualitativ hochwertig ist, dass sie gut davon leben können.

 

Auf dem Hof der Finca halte ich zum ersten Mal natural aufbereitete Kaffeekirschen in der Hand, die auf kleinen Trockenbetten liegen, aber in eine Kaffeekirsche habe ich noch nicht gebissen. Das soll sich jetzt ändern und so machen wir uns alle zusammen auf den Weg zu einem Kaffeefeld von José.

 

Die Kaffeepflanzen stehen hier, wie schon erwähnt, steil am Hang der Berge, einfach zwischen den einheimischen Bäumen. Die Ernte beginnt in Oaxaca Mitte Februar gerade und die reifen Kirschen leuchten rot oder gelb aus dem Unterholz. Nur deshalb ist der Kaffee hier leicht zu erkennen.

 

Das Feld von José ist vorbildlich, erzählt Thomas. Wir haben noch keinen Vergleich, wie es anderswo aussieht, aber hier sind die Kaffeebäume sehr gepflegt und tragen deshalb prächtig. Anerkennendes Nicken der anderen Produzent:innen bestätigt diesen Eindruck. Diese kleine Exkursion soll auch ihnen zeigen, dass das Kurzhalten der Bäume nicht nur den Pflanzen mehr Kraft gibt, sondern auch die Ernte extrem erleichtert.

 

Apropos ernten: Man muss schon ein bisschen kraxeln, um an die Kaffeepflanzen heranzukommen, und man merkt schnell, dass die Kaffeeernte harte Arbeit ist. Selbst ohne schwere Körbe auf dem Rücken ist es schwierig, die schmalen Pfade hinauf und hinunter zu kommen.

 

Das für mich ungewohnte feuchtwarme Klima tut sein Übriges, um mich ins Schwitzen zu bringen. Der etwa zehnjährige Sohn einer Kaffeeproduzentin läuft leichtfüssig vor mir her, dreht sich ab und an zu mir um, ob alles in Ordnung ist, und macht sich zu Recht ein wenig über mich lustig, wie ich da mit hochrotem Kopf durchs Gelände stapfe.

 

Wir bleiben den Tag über weiter in der Gruppe zusammen. Thomas‘ gerade neu gebraucht gekaufter Geländewagen bietet mit ein wenig Zusammenrücken Platz für neun von uns. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Produzent Carlos, wo wir uns später alle wieder zum Essen einfinden werden, besuchen wir die Finca von Margarita Hernández Pérez und ihrer Nachbarin Carmelita. Für die unbefestigten Straßen hier und die steilen Serpentinen geht ohne ein Auto mit Allradantrieb und guter Federung wirklich nichts. Bernhard, Basti und ich werden auf den etwas erhöhten Sitzen im Kofferraum zwar ganz schön durchgeschüttelt, aber es ist natürlich trotzdem sehr bequem. Als wir Margarita auf dem Weg zu ihrer Finca fragen, wie sie sich fortbewegt, antwortet sie: „Na, zu Fuß natürlich und von Carlos bis zu uns brauche ich eine halbe Stunde!“ Wir sind allein mit dem Auto über zwanzig Minuten unterwegs...

 

 

Auf den wenigen Hektar, die die beiden bewirtschaften, wird neben Kaffee auch Vanille und etwas Gemüse angebaut. Die Vanille ist durch die Initiative der USP zu einer guten zusätzlichen Einkommensquelle für die Mitglieder der Gemeinschaft geworden. Sie ist zwar arbeitsintensiv in der Verarbeitung, bringt aber stabile und relativ hohe Preise für die Ernte.

 

 Kaffeeanbau in Oaxaca

 

Auf dem Kaffeefeld von Margarita stehen die Pflanzen wieder am steilen Hang und wir haben trotz Trekkingschuhen Mühe, die Wege hinauf und hinunter zu kommen. Für Carmelita und Margarita in ihren profillosen Plastikballerinas kein Problem. Hier kann man sehr gut sehen, welchen Unterschied es macht, wenn die Kaffeebäume regelmäßig gepflegt werden. Auf einem Teil ihres Feldes sehen wir Bäume, die so hoch gewachsen sind, dass Margarita und ihre Familie die Kaffeekirschen nicht mehr vom Boden aus ernten können ohne Leitern zur Hilfe zu nehmen. Die Bäume tragen auch bei weitem nicht so viel wie bei José. Aber in einem höher gelegenen Teil präsentiert uns Margarita stolz ihre neueren Pflanzen, die sie sorgfältig pflegt und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Wunderschöne Kaffeekirschen, dicht an dicht, von sehr guter Qualität lachen uns an.

 

Nach der Besichtigung der Anbauflächen von Carmelita und Margarita sitzen wir noch eine Weile mit Margaritas Mann und ihrem Sohn zusammen. Die beiden haben, während wir unterwegs waren, einen Teil der Kaffeekirschen aus der ersten Ernte mit dem eigenen kleinen Entpulper vom Fruchtfleisch befreit. Margarita ist hier die Hauptverantwortliche und eine sehr resolute und selbstbewusste Frau. Sie erzählt uns, dass sie jetzt auch Honeys produziert und sehr bemüht ist, die Qualität ihres Kaffees durch bessere Aufbereitung zu verbessern. Thomas und Margarita tauschen sich noch eine Weile aus, sie gibt ihm noch Samples der neuen Ernte mit und dann geht es zurück zu Carlos. Die Häuser hier bestehen hauptsächlich aus Wellblech ohne Fenster und stehen direkt an den unbefestigten, staubigen Straßen. Fließendes Wasser und Strom gibt es kaum. Das Leben ist sehr einfach.

 

 Kaffeeaufbereitung in der Sierra Sur

 

Wir essen zusammen und die Produzent:innen nutzen die Gelegenheit, Thomas nach seiner Prognose zu fragen, welche Preise für die kommende Ernte zu erzielen sind. Zum ersten Mal seit Beginn der Zusammenarbeit mit der USP muss Thomas die schlechte Nachricht überbringen, dass die Realeinnahmen aufgrund der aktuellen Inflation in Mexiko und des derzeit sehr ungünstigen Wechselkurses wahrscheinlich etwas sinken werden. Verständlicherweise macht sich Unmut breit. Thomas erklärt ruhig und geduldig die Hintergründe und gibt Einblicke in die aktuelle Situation des Kaffeehandels. Er wird verstanden und die Stimmung hellt sich wieder auf. Auch hier bewundere ich Thomas wieder für die Art und Weise, wie er auf Augenhöhe in den Dialog geht.

 

Obwohl mir vorher bewusst war, dass das Leben hier nicht einfach ist, nimmt mich die erlebte Lebensrealität der Kaffeeproduzent:innen mit. Wir zahlen gemessen am Markt viel für ihren Kaffee, nur dachte ich, dass dies mehr bewirkt. Dem wäre auch so, wenn die kleinen Kaffeefarmen hier in der Sierra Sur mehr Anbaufläche hätten und mehr Kaffee ernten könnten.

 

Aber der Ertrag beschränkt sich zum Beispiel bei Margarita auf wenige Säcke Kaffee im Jahr, und dann ist die Qualität zwar gut, aber manchmal noch nicht gut genug, um den Kaffee als Microlot anzubieten. Für einen Standardkaffee, den wir das ganze Jahr über anbieten können, reicht die Menge der einzelnen Produzent:innen nicht aus.

 

Aus diesem Grund hat stellt Thomas für Heilandt den OAXACA BLEND zusammen. Die Kaffees der Union San Pedro haben alle ähnliche Varietäten wie Typica, Bourbon und Pluma Hidalgo und wachsen unter gleichen Bedingungen. So kann man aus den Kaffees, die eher zwischen 83 und 85 Punkten liegen, einen sehr hochwertigen Community Blend zusammenstellen. So haben wir genug Kaffee, um euch das ganze Jahr über unseren OAXACA Filterkaffee anbieten zu können.

 

Lebende Kreislaufwirtschaft

Nach dem Essen lässt sich Thomas von den Anwesenden noch Proben der ersten Ernten geben und wir verabschieden uns herzlich und dankbar für diesen Tag und die vielen Eindrücke, die wir mitnehmen konnten.

 

Gemeinsam mit Felix fahren wir ein Stück den Berg hinunter auf die Plantage von Salomon. Felix zeigt uns die Aufzuchtstation der Kaffeepflanzen und die große Kompostieranlage. Hier wird die Pulpa der geernteten Kaffeekirschen auf natürliche Weise mit Melasse, Kalium und Mikroorganismen angereichert, um einen chemiefreien Dünger herzustellen. Felix zeigt mir eine „Wurmfarm“. Hier sammelt er die nährstoffreichen Ausscheidungen, die als "Wurmtee" bekannt sind, eine fantastische stickstoffbindende Flüssigkeit, die eine wunderbare Bodenergänzung darstellt.

 

 Kreislaufwirtschaft der Union San Pedro in Oaxaca

 

 

Die Flora ist hier schon etwas subtropischer. Philodendron wachsen hoch an den Bäumen und überall blüht es herrlich. Natürlich baut Salomon hier ebenfalls Vanille an, die an den Bäumen hochklettert, und Kardamom. Durch die Plantage fließt ein Fluss und es gibt sogar einen kleinen Wasserfall, zu dem Basti und Thomas hinaufklettern. Außerdem sehen wir hier zum ersten Mal Gesha-Pflanzen. Sie sind leicht an den Blütenbüscheln oder den gebündelt wachsenden Kirschen an den Zweigen zu erkennen. Ein kleines, wunderschönes Paradies, das wir hier betreten dürfen!

 

Wir setzen Felix in seinem Dorf ab und fahren weiter die Berge hinunter, um unterwegs noch kurz Thomas' Partner Shaun Mace zu treffen. Es ist inzwischen, nach einem wunderschönen Sonnenuntergang, der durch die dicht bewaldeten Berge blitzte, Nacht geworden und wir warten auf einer stockdunklen Landstraße im Nirgendwo auf Shaun. Die Scheinwerfer von Shauns Auto werden vom aufsteigenden Nebel verschluckt und wir können uns in der Dunkelheit kaum erkennen. Shaun drückt uns eine alte Mahlkönig-Mühle in die Hand, damit wir mit Thomas in den nächsten zwei Tagen bei ihm zu Hause die Kaffeeproben mahlen können. Wir werden uns in ein paar Tagen wiedersehen, wenn wir bei Shaun und seiner Frau Leo auf dem Land übernachten, das Thomas und Shaun vor kurzem in den Bergen gekauft haben. Shauns Malinois Hündin Cotié hechelt uns zum Abschied noch fröhlich vom Beifahrersitz an, dann verlassen wir die Berge und übernachten bei Thomas am Pazifik.

 

Das große Cupping

Die nächsten zwei Tage verbringen wir am Pazifik und cuppen mit Thomas über 30 Kaffeeproben. Eine super Übung für unsere Gaumen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich im Schmecken von Kaffee trainiert und sehr spannend, wie viele unterschiedlichen Aromen Kaffee haben kann.

 

Wir sind natürlich auf der Suche nach möglichen Microlots, die wir euch in Zukunft anbieten können und es ist interessant zu beobachten, wie Thomas die Kaffees bewertet und welche er sich gleich für unseren nächsten OAXACA Blend notiert. Die Kulisse dafür kann nicht traumhafter sein. Wir blicken von der Terrasse auf den beeindruckenden Pazifik und manchmal winken uns sogar Wale zu.

Kaffee Cupping am Pazifik in Oaxaca 

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